Leider stellt sich heraus, dass die drei Wesen mitnichten tot sind. Statt dessen sind diese Weltraum-Vampire nur ausgehungert – sie dürsten nach
Lebensenergie
, eben der titelgebenden
Lifeforce
. Schlimmer aber: Jeder, dem sie die Lebensenergie absaugen, wird danach selbst zu einer zombieartigen Lebensenergiefalle. Und so verwandelt sich der Schauplatz zunehmend in einer Energie-Zombie-Schlachtfeld … zu alledem nähert sich das fremde Schiff nun dem Orbit und fährt einen Riesenstaubsauger aus: natürlich, um all die frei werdende Lebensenergie der Menschheit abzusaugen.
Kreisch!
Und während die Welt langsam in Schutt und Asche versinkt, versucht Colonel Carlsen die schöne Ober-Energieabsaugerin zu finden, denn die scheint sich in ihn verguckt zu haben (oder er in sie); mit etwas Petting-Gefummel kann er die nahende Lebenskraft-Apokalypse vielleicht noch aufhalten …
Nur *ein* Grund, sich das anzusehen: Mathilda May.
…ach, die wunderbaren 80er, da wurde noch richtige Kabumm-Science-Fiction gemacht. Zum Beispiel “Lifeforce – Die tödliche Bedrohung” (1985) von Tobe Hooper Ein Film, der ungeheuer bunt ist. Ständig brennt oder explodiert was und ein Lichteffekt jagt den anderen. Man darf ohne Übertreibung sagen, dass diese Film keine Längen hat – man ist förmlich gezwungen, ständig hinzuglotzen, und hat dabei dauernd das Gefühl: “zuviel zuviel zuviel”.
Immerhin hat das Geschehen – basierend auf dem Buch
Vampire aus dem Weltraum
(
The Space Vampires
) – weder Sinn noch Verstand.
Tobe Hooper
, neben Steward Gordon (“Re-Animator”, “From Beyond”) fraglos eine Ikone des wilden Phantastik-Kinos, das keine Rücksicht auf den Mainstream nimmt, brennt eine Seltsamkeit nach der anderen ab und schert sich nicht um Logik, Timing oder Charakterzeichnung. Man kann die Seherfahrung nur als
ganz schön weird
bezeichnen und die Mischung aus Sex und Sci-Fi hat auch etwas leicht verschwitzes. Mittendrin namhafte Schauspieler, die an der Aufgabe scheitern, zu zeigen, was eben schwer zu zeigen ist – die unsichtbare Lebenenergie. Bezeichnend eine Szene, in der Steve Railsback dem späteren Enterprise-Captain Patrick Stewart eine Antwort entlocken muss: Gefühlt zieht sich das ewig und ist einfach nur lächerlich.
Und doch hat Lifeforce eine ansehnliche Fan-Schar,
unter anderem auch mich. Liegt es an
Mathilda May
, der schönen Außerirdischen, die fast nie Kleidung trägt und ordentlich Holz vor der Hütte hat? Sicher auch (
sie
wirkt übrigens
nie
peinlich). Doch das wirklich schöne an Lifeforce ist, dass man ununterbrochen Rambazamba serviert bekommt und nie weiß, wie es weitergeht. Man spürt, dass die Macher epochales Science-Fiction-Spektakelkino schaffen wollten – und ihnen dafür viel Geld zur Verfügung stand.
Kommerziell war Lifeforce ein Flop. Denn leider ist es zweiffellos kein besonders guter Film. Dem B-Streifen kommt in der Mitte seine Koheränz abhanden und er fühlt sich wirr, misslungen und unangenehm fehlbesetzt an. Die oft beeindruckenden Effekte wirken heute zum Teil auch mal derb schlecht, auch wenn sie damals (ich war seinerzeit im Kino) in der ersten Liga spielten.
Spaß kann man mit dieser wunderbar gegen den Strich gebürsteten Knallschote trotzdem haben, und es kann sogar ein Lieblingsfilm werden. SF-Fans, die in den 80ern nicht dabei waren, sollten ihn sich unbedingt mal ansehen.
Fazit: Effektreiches und immer noch beeindruckendes SF-Spektakel der alten Schule, stellenweise brilliant, stellenweise aber auch unerträglich käsig.
]]>
David sieht: die Invasion vom Mars
Vater und Sohn David betrachten den Nachthimmel. Als eine Sternschnuppe niedergeht, sieht der Vater bei der mutmaßlichen Einschlagstelle nach dem Rechten. So was geht ja nie gut aus, und tatsächlich: am nächsten Morgen verhält Daddy sich höchst seltsam. Kurz darauf tun das auch die Mutter, die böse Lehrerin (großartig: Louise Fletcher), zwei Polizisten, ein NASA-Mitarbeiter … Kein Wunder, dass David hier völlig zu Recht eine “ Invasion vom Mars ” vermutet. Doch nur die Schulkrankenschwester Linda Magnusson (schreckschraubig: Karen Black) glaubt ihm …
Das UFO der Invasoren vom Mars
Invasion-vom-Mars-Filme sind ein Eckpfeiler der Science-Fiction. Mysteriöse Geschehnisse! Schleichende Paranoia! Grässliche Aliens! Als Regisseur Tobe Hooper 1986 ein Remake des Films ‘Invaders from Mars’ von 1953 drehte, war die Erwartungshaltung gemischt bis groß: Hooper hatte mit “The Texas Chainsaw Massacre” (inzwischen nicht mehr indiziert und in sehenswerter Restauration zu haben) Berühmtheit erlangt und mit “ Poltergeist ” auch kommerziell Erfolg gehabt. Doch bereits “ Lifeforce ” zeigte, das Hooper zwar stimmungsvolle und beeindruckende Phantastik abliefern konnte, aber stets eine, die irgendwie irgendwie schräg und eigenwillig war.
Die Invasoren vom Mars …
“Invasion vom Mars” (“Invaders from Mars”, 1986) konnte dann je nach Lesart als weiterer Beleg dafür gelten, dass Hooper für den Mainstream nicht geeignet ist. Dabei ist der Streifen keineswegs schlecht! Hooper hatte sichtlich das liebenswerte Original von 1953 vor Augen: Er befreite es aus seinem Kalter-Krieg-Kontext und überführte es in eine B-Movie-Horror-Hommage für junggebliebene Erwachsene. Doch leider gab es zu diesem Zeitpunkt schon zwei in Sachen Horror sehr ernste Alien-Filme sowie drei technisch perfekte Star-Wars-Filme, so dass seine Hommage damals einfach zu naiv , zu rückständig und zu trashig wirkte, um das Publikum noch beeindrucken zu können. Ein Flop.
Das Alien-Ober-Gehirn …
Tatsächlich ist das Remake mangels Subtext “dünner” als das weniger kreischbunte Original und hat auch viele Schwächen, etwa die sülzige Musik, den schlechten Hauptdarsteller (gerade im Vergleich mit dem Original), etliche spannungsfreie Längen und die furchtbar ungelenke Konfrontation der Soldaten mit den Kartoffelkopf-Aliens im leider etwas plumpen Finale. Und natürlich ist “Invasion der Körperfresser” der deutlich klügere Film (in allen Versionen).
Doch der schrottige Stil dieses Mars-Movies ist (meistens) kein Versehen, sondern Absicht. Die Monster stammen beispielsweise von Stan Winston, der zeitgleich an “Alien 2” arbeite, und am Drehbuch schrieb derselbe Dan O’Bannon mit, der auch schon bei “Alien” mitgeschrieben hatte (und in Dark Star den “Pinback” spielte). Hätte man Invaders from Mars anders haben wollen, hätten die es anders machen können. Für ihre Darstellung der ekligen Lehrerin Mrs. McKeltch erhielt Louise Fletcher damals sogar eine Negativpreis-Nominierung (Goldene Himbeere). Nun kann diese Schauspielerin aber auch Oscar, Golden Globe, Emmy und andere Preise vorweisen (u.a. für “Projekt Brainstorm”). Diese eine Fehleinschätzung zeigt beispielhaft, wie sehr der Film missverstanden wurde: Er war und ist eine völlig übersteigerte und überbuntete Version des Invasions-Themas, die nicht etwa “ironisch” sein will, sondern auf übertriebene Weise den 50er-Jahre-Stil imitieren möchte.
Die grässliche McKeltch!
Gerade Fletchers Rolle ist einfach wunderbar grotesk abstoßend und sorgt für eine der schaurigsten Szenen des Films (“ Frosch im Hals “). Selbst “Faculty”, der sich an Toobe Hoopers Invaders sichtlich bedient hat, erreichte wegen seiner zu großen ironischen Distanz nie diese Wucht. Dabei ist die Angst vor der Lehrerin wichtig, um die Gefühle des kleinen, verängstigten David zu zeigen. Denn darum geht es eigentlich in “Invasion vom Mars”: um die Sichtweise des 10 Jahre alten David, dessen (Wunsch-)Traum das alles ist. Deutlich wird das an der oft niedrig platzierten Kamera, dem ungnädigen Tod der schrecklichen McKeltch und vor allem dem Ende der restaurierten Blu-ray-Version, die erstmals den rätselhaften US-Original-Schluss enthält: Der Film endet eben nicht wie in bisherigen deutschen Versionen damit, dass “alles wieder gut” ist; statt dessen erwacht David aus dem Alptraum (den Film, den wir sehen) und sucht Schutz bei seinen Eltern – um in deren Schlafzimmer etwas für ihn schockierendes zu sehen (das uns dann verbogen bleibt).
Fazit: Wunderbar schräger Invasionsfilm-Klassiker, den man aber vielleicht nur mögen kann, wenn man die naiven B-Movies der 50er-Jahre liebt.
(Bilder: Koch Media )
]]>
Moontrap – Gefangen in Raum und Zeit (1989)
Ein seltsames Ei an Bord eines fremdes Raumschiffes? Quizfrage: Alles sprengen und abhauen? Oder das Ei mitnehmen zur Erde?
Natürlich klemmen sie es sich
unter den Arm
(ja wirklich!) und reisen damit in die USA ein. Immerhin kommt das Ei nun in die Quarantäne eines Labors.
Nützt aber nichts, denn als man es für einen Augenblick unbewacht lässt (man lässt diese Eier aus dem All ja immer für mindestens einen Moment ohne Aufsicht), schlüpft daraus ein kleines mechanisches Wesen, schraubt sich das umgebende Labor als Exoskelett an die eigene Mechanik und poltert Minuten später als zerstörerischer Metall-Koloss durch die NASA-Gänge.
Den ratternden Recycling-Robot kann man allerdings gerade noch aufhalten … Doch natürlich legen inzwischen Berechnungen nahe, dass das im Orbit gefundene Raumschiff vom Mond stammt. Nun liegt auf der Hand, was jeder von Routinemissionen gelangweilte Astronaut natürlich ganz genauso vorschlagen würde:
Wir müssen zum Mond!
Das tun sie denn auch, doch was sie dort finden, soll sich bitte jeder selbst ansehen.
Denn
Moontrap – Gefangen in Raum und Zeit (1989)
ist meiner Meinung nach eine der ganz, ganz großen Trash-Perlen, die man imho als SF-Fan gesehen haben
muss
. Ich selbst sah den Film damals, kurz nach dem Release in irgendeinem Kleinkino, danach war er jahrelang nicht auf DVD zu haben (kursierte allerdings als schäbige Raubkopie in VHS-Qualität) und ist jetzt endlich in einer sehenswerten Version auf
Blu-ray
und
DVD
erschienen.
Staunen auf dem Mond: Walter Koenig, Bruce Campbell
Moontrap macht aus vielen Gründen Spaß.
Zum einen ist da natürlich die Story, der es zwar stellenweise an Logik mangelt, die aber eine prima Mischung aus solider Near-Future-SF und weirder Sense-of-Wonder-Sci-Fi mit einem Schuss Buddy-Comedy zusammenpanscht. Die Hybrid-Robots, die sich aus Mensch- und Maschinen-Teilen gleichermaßen zusammen, liefern soliden Horror (und wurden dann später von „
Virus – Schiff ohne Wiederkehr (1999)
“ abgekupfert). Und nicht zuletzt geben Koenig und Campbell ein ganz gutes Team ab. Hinzu kommen Szenen von einmaliger Absurdität (brutalstüberflüssige S
ex-im-unpassenden-Moment
-Szene).
Also Vorsicht: Richtig „gut“ ist Moontrap nicht.
Der Film fühlt sich aus verschiedenen Gründen sogar ein bisschen misslungen an. Die Musik ist oft nervtötend, der stellenweise konsequent betriebene Realismus (Stille im Vakuum) stört hier irgendwie, das Timing ist nicht optimal und es gibt doch einige Längen und seltsam deplatzierte Stellen (etwa vor der Mission, der Abschied von der Familie). Trotzdem: Auf der Haben-Seite gibt’s auch viele beeindruckende Szenen sowie im Großen und Ganzen ein Weltraumabenteuer im besten Sinne, ganz ohne Laserschwerter. Einer meiner Lieblingsfilme.
Fazit: Sehenswertes, aber nicht ganz gelungenes Low-Budget-SF-Kleinod, dass man entweder sehr mag – oder halt nicht.
Von „Kultfilm“ kann eher nicht die Rede sein, aber je nach Geschmack kann man diesen Film durchaus sehr schätzen.
Es deutet sich an, dass mit
Moontrap: Target Earth
eine Fortsetzung (Start: 2015) gedreht wurde und schon in der Postproduktion ist (
Facebook
). Auch wieder ein B-Movie, und natürlich diesmal mit
sexy Schnitte
als Astronaut(in)…
]]>
Josh
Die Brüder Josh und Mike machen einen Ausflug aufs Land, werden dort von ein paar Rowdys von der Straße gedrängt und landen im im Graben. Auf der Suche nach einer Werkstatt landen sie in einer öden Kleinstadt und stolpern vor deren einzigen Bar über eine entstellte Leiche. Als sie diese dem grummeligen Sheriff zeigen wollen, ist sie natürlich schon wieder verschwunden – und so heißt lautet dessen verstimmte Anweisung: Übernachtet hier, Jungs, aber repariert morgen eure Karre und haut ab aus meiner Stadt.
Holly
Doch im Gasthaus der höchst seltsamen Mrs. Mapes verschwindet über Nacht Joshs Bruder Mike. Und er ist nicht der einzige: Der ganze Ort und seine einsamen, nebelverhangenen Straßen erscheinen zunehmend menschenleer. Gottlob verguckt sich Josh in die schöne Lehrerin Holly. Zusammen gehen sie der grauenhaften Ursache auf den Grund, die natürlich, jeder Genrefan sieht das sofort, mit einem eingezäunten Fabrikgelände zu tun haben…
Sheriff, Doktorin
Wer eine Ein-Cent-DVD mit dem Titel “Mutant II” erwirbt, der erwartet gewiss nicht viel. Doch “Night Shadows” (1984) entpuppt sich überraschenderweise als ziemlich solider B-Film (nicht jedoch als Fortsetzung von “ Mutant – Das Grauen im All “). Das Movie bringt jenen herzlichen 80er-Jahre-Charme mit, wie ihn einfach nur die billigen SF-Horror-Filme jener Zeit hatten. Hinzu kommt ein stimmungsvoller Score von Richard Band.
Da verzeiht man gerne die reichlich unausgegorene Konzeption der Monster, die irgendwie Zombies sein sollen, irgendwie aber auch Vampire, oder Mutanten, die zudem besser geschminkt wurden als sie schauspielern können.
Zombie-WC
Sympathisch ist das Ensemble von Darstellern und Figuren, etwa der anfangs harte Sheriff mit dem Alkoholproblem, der das Problem nicht sehen will, der aber natürlich eigentlich ein goldenes Herz hat und am Ende gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten doch eingreift. Die leicht vergilbte Landärztin, die brav die wissenschaftlichen Hintergründe erklärt. Der gelockte Held, der rasch seinen von den Monstren verspeisten Bruder vergisst, als er die kesse Blondine kennenlernt, wahrscheinlich, weil sie in der betreffenden Szene viel zu kurze Jeans-Hotpants anhat und ihr Haar lockig fallen lässt. (Ein Riesenspaß!) Hinzu kommen wirklich schön gemachte Szenen wie die Flucht aus einer von Zombie-Kindern belagerten Schul-Toilette oder die Angriffe der Zombies, die mit “glühenden” Händen durch Windschutzscheiben hindurchschmelzen. Hat was!
Fazit: Platter, aber solide gemachter Giftmüll-SF-B-Trash der besseren Art. Prima für nostalgische Fans von B-Filmen mit 80er-Jahre-Charme.
]]>
Eines Tages erhält die Konzernspitze eine Bombendrohung. Polizeileutnant Jansen (Rainer Werner Fassbinder), 100% Aufklärungsquote, heimlicher Alkoholiker, unangenehmer Zeitgenosse, brutaler Zyniker, weder Mitläufer noch Widerständler, soll herausfinden, was dahinter steckt. Die (reichlich verworrenen) Spuren führen ihn in den 31. Stock des Konzernhochhauses, doch dieses hat nur 30 Stockwerke. Zunehmend sind Konzern- und Polizeichefs von seinen Ermittlungen genervt und wenden sich gegen ihn. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Staatsfeind
Krysmopompas
…
Diese schwer genießbare Perle aus deutschen Landen darf man sich nur zu Gemüte führen, wenn man sich wirklich aufrichtig für abseitige Filme und bizarre SF-Szenarien interessiert. „Kamikaze 1989“ (Deutschland, 1982) ist nämlich als Science-Fiction-Film eher mäßig, trotz reichlich Zukunfts-Firlefanz. Auch wer sich eine Art „Welt am Draht“ erhofft, wird enttäuscht: Auf dem Regiestuhl saß hier Wolf Gremm, nicht Fassbinder, und als Darsteller torkelt letzterer sichtlich dem Ende seiner multiplen Drogenabhängigkeit entgegen.
Doch das kann in seinem Fall immer noch ein ganz großes Vergnügen sein: Wie er als „Jansen“ im Leopardenfell-Anzug (samt mit Leopardenfell bezogenem Revolver und Leopardenfell-Armaturen im Auto) mit versoffenem Gesicht durch diese grelle, absurde Zukunftssatire stampft, das ist einfach grandios. Der Sage nach hat sich Fassbinder übrigens in diesem Anzug beerdigen lassen.
Ich gebe zu: ich liebe „Kamikaze 1989“, trotz des nervtötend lieblosen Edgar-Froese-Gedudels im Soundtrack. Ich hatte den Film vor Jahren mal auf einem portablen Casio-Minifernseher gesehen und war fasziniert, auch das erneute Ansehen habe ich sehr genossen. Brigitte Mira in einem Sci-Fi sieht man ja auch nicht oft. Und Franco Nero. Gerade weil das Alles einerseits furchtbar trashig ist, sich andererseits durchaus bemüht, ein Action-Krimi zu sein – sogar mit einer für damalige deutsche Verhältnisse gewiss erstaunlichen Autojagd. Und doch den Charme einer unerhört skurrilen Zukunftsvision entwickelt.
Vieles der arg überzeichneten Zukunft wurde vielleicht nicht wahr, wäre aber noch immer vorstellbar: Der OK-„Daumen“ der Polizei; das Verbot von Alkohol und selbst gezüchtetem Gemüse; der Neusprech des „unerwarteten Todes“; die Monopolisierung der Wirtschaft samt Gleichschaltung der Medien in fast 50 TV-Kanälen; die allgegenwärtige “wearable” Kamera (hier: am Ring) als Vorwegnahme der Google Glasses…
Okay, so manches wurde wohl
tatsächlich
wahr.
Es ist in jedem Fall bedauerlich, dass Fassbinder starb, denn weitere Jansen-SF-Krimis hätte zumindest ich gerne gesehen.
Fazit: Wunderbar trashig-bunte, absurd-schrille Dystopie. Geheimtipp für Fans des Abseitigen. Eigentlich ein Must-see, aber gewiss nicht für jeden Geschmack geeignet.
]]>
Colby will ins Bett
Space-Sheriff Colby hat seit fünf Jahren keinen Urlaub mehr gehabt, gerade eben (in den ersten fünf Minuten des Films) eine Flotte angreifender Raumschiffe im Alleingang zerstört und nun das: Seine Chefs wollen, daß er mal schnell zum Planeten Xarbia jettet, um auf der einsamen, entlegenen Forschungsstation nach dem Rechten zu sehen. Das Ergebnis: Auf Xarbia züchten Wissenschaftler organische Materie, die sich rasant und grenzenlos selbst reproduzieren kann. So was ist ja nie verkehrt, man könnte sich das Zeug beispielsweise endlos in die Pfanne hauen. Bloß ist ihre neueste Kreation, “ Subjekt 20 “, umgekehrt ebenfalls hungrig …
Dr. Glaser auch
Mit “Mutant – Das Grauen im All” (Originaltitel: “Forbidden World”, 1982) lieferte B-König Roger Corman alles, was der SF-Fan in den 80ern sehen wollte:
‘n Mutant? Na und! Wird schon niemanden anfallen, der gerade nackich in der Sauna entspannt …
‘Ist Gentechnik denn nicht gefährlich?’ ‘Man kann das nicht generalisieren …’
Wo bleibt die Putzkolonne?
Galaktischer Hyper-Unfug! Aber stimmungsvoll in Szene gesetzt. Den Kulissen von “Mutant – Das Grauen aus dem All” sieht man zwar an, daß sie zu 90% aus Fast-Food-Styroporboxen bestehen, doch das Gesamtbild ist erstaunlicherweise überdurchschnittlich gelungen, und auch das Monster ist meistens näher an “Alien” als in den meisten anderen miesen Kopien der damaligen und auch heutigen Zeit.
Den geneigten Fan erwarten außerdem wunderbar synthetische Synthesizer-Klänge, wie sie wahrscheinlich schon damals eigentlich aus der Mode waren. Eine fast perfekte Tonspur mit Röchel-, Glitsch- und Schleimgeräuschen vom Feinsten. Und Faßweise (!) Blut- und Gelantine-Glibber – unter anderem für die anschaulichste “Zellteilung” der SF-Geschichte, die man einfach selbst gesehen haben muss. Und natürlich US-Model Dawn Dunlap, die meistens wenig anhat.
Kurz: Ein absolutes Meisterwerk. Auf Augenhöhe mit dem B-Knaller “ Galaxy of Terror “. Schade, das sowas nicht mehr gedreht wird…
Mutant – Das Grauen im All
]]>
Was diesen Film ausmacht, spürt man sofort: Die den Film eröffenende Closeup-Aufnahme eines Sonnenaufgangs über dem Meer dauert gefühlte Stunden – in Wirklichkeit aber nur drei Minuten. Danach latscht Zac Hobson (Bruno Lawrence) nackt durchs Bild und versucht, wach zu werden. Im Radio: nur Rauschen. Er ruft im Büro an: keiner geht hin.
Er rasiert sich dennoch, zieht brav seinen Anzug an, fährt los, ohne zu wissen, dass das alles längst keinen Sinn mehr hat.
Schon an der Tankstelle ist niemand sonst, kein Service. Das erste Wort des Films, “Hallo”, fällt nach 6 Minuten. Es antwortet keiner. Denn Zac ist, wie ihm schnell auffällt, allein auf der Welt. Alles ist noch da, die Häuser (leer), die Autos (teils quer auf der Strasse), und so weiter. Nur Menschen gibt es keine mehr.
Zac Hobson ist der einzige Mensch in einer Welt voller angebrochener Mahlzeiten und noch immer pfeifender Teekessel, die niemand mehr vom Herd nehmen könnte. Weil um 6:12 alle Menschen verschwanden … Gottlob ist er Wissenschaftler und hat daher eine Vermutung, was mit der stillen Erde nicht mehr stimmt …
Keine Zombies, weder Endzeit-Autojagden noch tumbe Ringkämpfe um die letzten Erdölreserven. Dazu magere SF-Effekte… Was “The Quiet Earth” ausmacht, das ist vielmehr die stimmungsvolle Darstellung von Zacs Einsamkeit. Wie er die Welt anfangs noch zögernd durchschreitet, dann vorübergehend fröhlich in seinen Besitz nimmt und etwa Kunstschätze anhäuft – die aber ja für niemandem mehr von Wert sind. Wie er mit dem Auto die Kaufhäuser rollt und “einkauft”, in seinem mit Fernseher vollgestellten Luxusheim mit sich selbst redend Billiard spielt und langsam, aber sicher durchdreht und erst einfache Dinge, dann immer größere Sachen zerstört und dabei immer wieder mit seinem Suizid hadert.
Allein die mit Tonbändern und Pappfiguren inszenierte surreale Schlacht in seinem Garten, die er als Cäsar mit Fernbedienung anleitet, ist das Anschauen wert … und auch die starke Filmmusik leistet ihren Beitrag zu diesem Geheimtipp aus Neuseeland.
Fazit: Grossartiger Science-Fiction-Klassiker und Dank beeindruckender Stimmung und Konsequenz der bislang klügste und intensivste Film über einen “letzten Menschen auf Erden”. Auch in der Besetzung so wunderbar einzigartig, wie man das wohl Jahrhunderte nicht mehr wird überbieten können. Da kann man dann auch die eine oder andere Länge hinnehmen.
]]>